Heute freuen wir uns über einen Beitrag von Silke. Und darum geht’s: Secondhand ist eine tolle Alternative zum ständigen Neukauf und viele von uns lieben es doch, über den Flohmarkt zu schlendern oder bei den üblichen Plattformen auf Schnäppchenjagd zu gehen. Doch dieses schöne Treiben droht von einer Ultra-Fast-Fashion-Welle überschwemmt zu werden – bzw. sind wir schon mittendrin … Silke gibt euch hier spannende Einblicke und Hintergründe. Also … Rein in den Text!
Ab dem 1. Januar 2025 wurde eine Pflicht zur Getrenntsammlung von Alttextilien eingeführt und durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz auch in Deutschland umgesetzt. Auf diese Weise sollen Textilien wiederverwendet oder recycelt werden können. [1]
Von den gemeinnützigen und kommunalen Trägern der Sammlung wird befürchtet, dass die Menge der Alttextilien, die in die Sammelcontainer wandern, sich dadurch enorm erhöht und die Qualität noch mehr leidet. Da Deutschland ein funktionierendes Sammelsystem hat (Erfassungsquote von 50 – 65 %), ändert sich für Bürger*innen dadurch nichts. [2]
Wichtig: Kaputte, verdreckte oder anderweitig beschädigte Textilien muss weiterhin in die Restmülltonne gegeben werden, damit die Sortierungsqualität erhalten bleibt, die von der Eignung für Secondhand-Bekleidung bis zur Resteverwertung als Putzlappen oder Dämmstoffe reicht.
Recycling im echten Sinn, dass aus Fasern wieder Kleidung wird, passiert erst zu knapp einem Prozent. Ein Grund ist die Identifizierung der Fasern in Mischgeweben – gerade Ultra-Fast-Fashion-Teile, die durch die Plattformen Shein und Temu massenhaft auf den Markt geworfen werden, bestehen zum größten Teil aus Plastik, Polyester u. a. Fasern. Sie können nur noch zu Isolier- und Füllstoffen verarbeitet werden. [3]
Die Kleidungsproduktion wächst … Längst kann nicht mehr alles verkauft oder verwertet werden. Kleidung wird verbrannt, landet auf einer Mülldeponie oder irgendwo in der Landschaft, oft in Drittländern, z. B. in der Atacama Wüste in Chile, wo sie die Umwelt verschmutzt. [4]
Im Dachverband Fairwertung zusammengeschlossene gemeinnützige Sortierfirmen sind besonders getroffen, wenn andere Sammler mangels ausreichender Erlöse aufgeben. Seit Jahresbeginn sind bis zu 30 % aller Containerstandorte aufgegeben worden. [5]
„Unser Ziel bleibt: Gut erhaltene Kleidung im Kreislauf halten, wertschätzen und damit soziale Projekte weltweit unterstützen. Doch dafür braucht es klare Spielregeln und Unterstützung.“
Vorstand Vaas [5]
Die dringend erwartete und in anderen Ländern der Europäischen Union bereits in Kraft getretene erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien lässt allerdings noch bis mindestens 2027 auf sich warten. [1]
Vertrauensvolle Sammelcontainer erkannt man übrigens an dem Logo des Dachverband Fairwertung. [6]
Ultra Fast Fashion als ein Konsumtreiber … Ein Faktor, der die Überproduktion von Ultra Fast Fashion in Gang hält, sind die Kaufenden. Aber warum lassen wir uns durch TikTok, Werbung, Schnäppchenangebote (Black Friday steht schon wieder vor der Tür) triggern, zu kaufen, obwohl im Kleiderschrank schon Platzmangel herrscht?
Was wollen wir, die sich hier engagieren? Meine Erfahrung.
Durch Spontankäufe eine (emotionale) Leere schnell auszufüllen –entweder analog in der Einkaufsstraße oder mit einem Klick auf die Online-Lockangebote – ist verführerisch. Ich merke erst danach, dass das positive Gefühl nicht lange anhält. Sich das schon vorher bewusster zu machen, würde helfen, meine ich. Erlebnisse, Erfahrungen mit Freund*innen, Gespräche mit anderen könnten nachhaltig(er) sein.
Gesetzlicher Ausblick Die EU hat Mitte 2024 neue Vorschriften zur Ökodesign-Verordnung geschaffen. Sie bildet den europäischen Rechtsrahmen für die umweltgerechte Gestaltung von Produkten. Textilien sind eine der ersten Produktgruppen, für die Kriterien aufgestellt werden. Bisherige Probleme, dass Mischgewebe schwierig zu recyclen sind und Chemikalien in Stoffen die Gesundheit gefährden, sollen angegangen werden. [7] Idealerweise könnte es bedeuten, dass nur noch recycelbare Textilen auf den EU-Markt gebracht werden dürfen …
[1] Getrenntsammlungspflicht für Alttextilien gemeinsam und mit Weitsicht umsetzen – RECYCLING magazin
[2] Verwirrung um kaputte Altkleider: Doch in den Restmüll | BR24
[3] Faser-zu-Faser-Recycling: Was ist das? Und warum ist es so kompliziert? – Altkleiderspenden.de
[4] Weltspiegel-Reportage – Weltspiegel – ARD | Das Erste
[5] Textilflut bringt Sammelsysteme an die Belastungsgrenze – Aktion Hoffnung Rottenburg-Stuttgart e. V.
[6] Dachverband FairWertung e. V. – Bündnis für nachhaltige Textilien
[7] Neue Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte tritt in Kraft | Umweltbundesamt

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