Da gibt es einiges … Shein eröffnet seine erste Filiale in Paris – und bald kommen noch weitere. Gab es da aber nicht auch einen „kleinen“ Skandal, bei dem mutmaßlich auf der Plattform S**puppen mit kindlichem Erscheinungsbild verkauft wurden? Auch Waffen sollen angeboten worden sein. Außerdem: Der EU reicht’s – nach langer Untersuchungszeit hat das Verfahren gegen den Ultra-Fast-Fashion-Riesen nun endlich die nächste Stufe erreicht.

Back to the Past

Für all das wollen wir einmal ein wenig in der Zeit zurückreisen. Bereits letztes Jahr hat die EU-Kommission eine Untersuchung gegen Shein eingeleitet. [1] Die Gründe dafür beziehen sich hauptsächlich auf die schadhaften oder gesundheitsschädlichen Produkte sowie die irreführenden und unlauteren Praktiken – beispielsweise die angeblich begrenzte Anzahl an Teilen, die absurden (zeitlich scheinbar stark begrenzten) Rabatte oder die „Gamification“ beispielsweise in Form vom Glücksrad.

Es scheint so, dass der Skandal um die kindlichen S**puppen „das Fass zum Überlaufen“ gebracht hat. Verdacht und Vorwurf der EU-Kommission: Das Unternehmen habe nicht ausreichend getan, um den Vertrieb solcher Produkte auf ihrer Seite zu verhindern – und damit auch den Verbraucher*innenschutz vernachlässigt. Aber auch das oben bereits angesprochene glücksspielartige System ist Grund für das neue Verfahren. [2]

Hier wird der Verbraucherschutz klein geschrieben – quasi der verbraucherschutz.

Doch … Moment mal … Wie kann es denn dann sein, dass quasi zeitgleich mit dem Skandal in Paris der erste analoge Store eröffnet und jetzt noch weitere folgen?? Na ja … Geld. Das reicht fast schon als Erklärung, ich führe es aber trotzdem gerne etwas weiter aus.

Frankreich und Shein – Lovers to Enemies?

Frankreich selbst war von den Expansionsplänen Sheins in ihrer Hauptstadt nicht sonderlich erfreut. Letztes Jahr hatte die Regierung sogar versucht, die Plattform für drei Monate zu sperren – scheiterte aber vor Gericht. Der Handelsminister Serge Papin erklärt, dass Shein und Co. für die lokalen Ladenketten einen unlauteren Wettbewerb darstellen. [3] Und das ist keine Überraschung, denn für Unternehmen vor Ort sind die riesigen Online-Händler ein großes Problem.

Geschäfte vor Ort unterliegen nämlich oftmals strengeren Richtlinien und sind direkt für die von ihnen verkaufte Ware verantwortlich – die Ultra-Fast-Fashion-Konzerne verweisen da ja mal gerne einfach darauf, dass sie ja bloß die Plattform seien, aber nicht die Hersteller. So ziehen sie sich oftmals aus der Verantwortung.

Dass Shein nun trotzdem in Paris expandiert, liegt in der Hand der Eigentümer der Kaufhäuser – denn sie entscheiden, welche Händler in ihren Hallen Einzug halten und nicht die französische Regierung. Neben den Bedenken bezüglich Arbeitsbedingungen und Überkonsum argumentieren die Kritiker auch, dass die Billigmarke in einem für hochwertige Produkte bekannten Traditionshaus dem Image von BHV schadet und negative Folgen für den lokalen Modehandel haben könnte. Das Modehaus verweist auf den großen Erfolg, den die Eröffnung in Paris bereits hatte und dass die Nachfrage schließlich da sei … [4]

Dass diese Entscheidung im ersten Moment wirtschaftlich sinnvoll erscheint, finde ich nachvollziehbar. Dass man aber dabei vergisst oder auch einfach in Kauf nimmt, dass dies nachhaltig der lokalen Wirtschaft schaden wird, wiederum nicht.

Und nicht nur die lokale Wirtschaft übt Kritik an dem Vorhaben. Schon bei der Eröffnung der ersten Filiale Ende letzten Jahres gab es große öffentliche Proteste. Während die einen im neuen Store shoppen gingen, demonstrierten viele Menschen vor dem Laden gegen die Billigmode. Paris, die Modehauptstadt Europas – viele Pariser wollen dieses Unternehmen nicht in ihrer Mitte, wollen die schlechten Arbeitsbedingungen und den Spirit von Ach, 3 € nur? Dann nehme ich das doch auch noch mit. nicht unterstützen. [5]

Ich denke, wir dürfen gespannt sein, wie sich dieses Thema weiterentwickelt – und ob diese Ereignisse vielleicht sogar für Shein ein Weckruf waren. Gleichzeitig werden wir in Zukunft noch stärker darüber nachdenken müssen, ob wir zu Einschränkungen bereit sind, um unsere Wirtschaft, den Planeten und damit auch uns selbst nicht nachhaltig zu schaden …


[1] EU will gegen chinesischen Online-Händler Shein vorgehen | tagesschau.de

[2] Verfahren gegen Shein wegen kindlicher Sexpuppen

[3] Onlinehändler Shein: Frankreich kündigt Widerstand gegen Onlineplattform Shein an | DIE ZEIT

[4] Shein expandiert in Frankreich trotz massiver Kritik weiter

[5] Proteste gegen ersten Shein-Laden

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