Mein E-Mail-Postfach platzt schon seit Tagen, nein, eigentlich schon seit mindestens zwei Wochen, aus allen Nähten. 15 %, 30 %, 50 % Rabatt, auf alles, überall. Selbst Unternehmen, bei denen ich vor Jahren einmal bestellt habe, tauchen plötzlich wieder auf und locken mit „exklusiven Deals“, die mich zurück aufs Kaufkarussell ziehen sollen. Kommt euch das bekannt vor? Dann wisst ihr: Es ist wieder Black-Friday-Zeit.

Vom einen Tag zu einem ganzen Monat Rabattwahnsinn

Offiziell fällt der Black Friday dieses Jahr auf den 28. November. In der Realität beginnt die Rabattschlacht jedoch viel früher: Mit dem sogenannten „Cyber Monday“, der inzwischen schon am 24. November startet. Aus einem Tag wurde ein Wochenende, dann eine Woche – und mittlerweile gehen die Rabattaktionen bei vielen Unternehmen schon den komplette November durch.

Und ja, die Angebote fühlen sich oft gewaltig an. Doch Studien zeigen: Im Durchschnitt lassen sich an Black Friday gerade einmal 6 % echter Rabatt herausholen, der Rest ist geschicktes Marketing, Preis-Trickserei oder schlicht Fake Deal.[1]

Woher kommt der Black Friday eigentlich?

Auch wenn Black Friday heute für blinkende Banner, überfüllte Warenkörbe und algorithmisch perfektionierte Kaufanreize steht, liegt sein Ursprung weit zurück und ganz woanders. Der Begriff „Black Friday“ tauchte erstmals im 19. Jahrhundert auf – allerdings nicht im Zusammenhang mit Shoppen, sondern einem Börsencrash im Jahr 1869, als ein Goldspekulationsskandal den US-Goldmarkt kollabieren ließ. [2]

Die Shopping-Tradition, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich über Jahrzehnte im amerikanischen Einzelhandel, wo der Freitag nach Thanksgiving traditionell den Start ins Weihnachtsgeschäft markierte. Nach und nach erreichte diese Konsumdynamik auch Europa, wo sie sich insbesondere seit den 2010er-Jahren deutlich bemerkbar macht. [3]

Was hat das mit Ultra Fast Fashion zu tun? Eine ganze Menge.

Nach TikTok-Trends, Micro-Hauls und „Buy in my Link“-Wellen kommt nun der große Showdown: Black Friday.
Der Tag, an dem Ultra-Fast-Fashion-Unternehmen demonstrieren, wie gut sie unsere digitalen Impulse lesen und wie schnell sie sie in Umsatz verwandeln.

Sie wissen, wann unsere Postfächer voll sind. Sie wissen, wann wir müde scrollen. Sie wissen, wann wir in Kauflaune sind. Und sie wissen, dass der Mix aus „nur heute!“, künstlicher Verknappung und 80-%-Rabatt-Schildern die perfekte Einladung ist, nochmals ein Teil zu kaufen, das wir eigentlich gar nicht brauchen.

Black Friday ist der ultimative Boost für Ultra-Fast-Fashion: Massenproduktion, Mikrotrends und Mikropreise – alles gebündelt in einer Konsumwelle, die jährlich aufs Neue größer wird.

Aber: Es gibt auch eine Gegenbewegung

Während viele Unternehmen das ganze Jahr über auf diesen Tag hinarbeiten, gibt es inzwischen immer mehr kleinere Läden, die sich bewusst dagegenstellen.
Der „Buy Nothing Day“ – dieses Jahr am 29. November, direkt nach Black Friday – setzt ein Zeichen gegen übermäßigen Konsum, ausbeuterische Produktionsketten und die Illusion, Glück ließe sich rabattiert kaufen. Einige Geschäfte bleiben an diesem Tag sogar geschlossen, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

Wie wir trotzdem klug durch den Rabattdschungel kommen

Black Friday kann sinnvoll sein – wenn man bewusst damit umgeht. Eine hochwertige Winterjacke, auf die man schon letztes Jahr ein Auge geworfen hat und die sonst das Budget sprengt? Perfekt. Fünf spontane Trendteile, die wir nächste Woche schon wieder vergessen? Eher nicht.

Ein paar hilfreiche Tipps:

  • Vorher informieren: Was brauche ich wirklich? Was kostet es normalerweise?
  • Preise checken: Preisvergleichsseiten oder Tools nutzen, die Preisverläufe anzeigen.
  • Spontankäufe vermeiden: Wenn du etwas vorher nicht wolltest, brauchst du es wahrscheinlich auch jetzt nicht.
  • Bewusste Entscheidung statt Dopamin-Deal: Lass dich nicht in den Kaufrausch schieben.
  • Reflektieren: Würde ich dasselbe Teil auch haben wollen, wenn es nicht so extrem günstig wäre?

Am Ende entscheidet nicht der Rabatt, sondern wir – und manchmal ist der stärkste Klick jener, den wir nicht machen. Bewusst einkaufen heißt nicht zwingend zu verzichten, sondern klug zu wählen.


[1] Es geht los! Wie man wirklich Schnäppchen machen kann?

[2] Woher Kommt Black Friday – Geschichte & Ursprung ❓

[3] Woher Kommt Black Friday – Geschichte & Ursprung ❓

Eine Antwort zu „Black Friday und der Ultra-Fast-Fashion-Showdown“

  1. Susanne Andres

    Sehr viele, da ich selber nähe und stricke. Viele Dinge sind schon 20, 30 Jahre alt, einen selbstgestrickten Pullover habe ich mir in meiner Studienzeit gestrickt, jetzt bin ich 60 … ich trage ihn noch immer.

    Wenn ich was kaufe, dann Biomwolle und fair. Bei Socken allerdings bin ich da nicht ganz so dogmatisch.

    Ich wohne auf einem Dorf, da ist die Versuchung zum Shoppengehen sehr gering. Online bestelle ich ab und an, immer in den selben Shops, Maas Natur, Hess, Memo. Viel zu kaufen brauche ich nicht.

    Mein Mann trägt auch selbstgenäht Hemden, da kaufe ich Bio-Baumwollstoff. Inzwischen gibts einiges, auch bunt und originell

    Alles was ich im Schrank habe, trage ich auch. So ist es mit meiner ganzen Familie.

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