Heute haben wir einen Text für euch zu einem Thema, das die meisten sicherlich erst mal nicht mit Ultra-Fast-Fashion verbinden würden: Datenschutz. Lara von der cum ratione gGmbH, die gerade auch eine Veranstaltungsreihe zur digitalen Souveränität durchführen, hat das Wort …
Heute beschäftigen wir uns nicht mit den Arbeitsbedingungen in den globalen Lieferketten oder den ökologischen Auswirkungen von Ultra Fast Fashion. In diesem Blogbeitrag soll es um Datenschutz gehen. „Datenschutz? Das ist doch öde und viel zu technisch. Und was hat das überhaupt mit meiner Shopping-Experience zu tun? Außerdem habe ich eh nichts zu verbergen“, entgegnet ihr vielleicht jetzt.
Trotzdem finde ich es wichtig, dass wir auch mal darüber sprechen, wie Temu und Shein eigentlich Daten sammeln, und was das für Konsequenzen haben könnte. Temu beispielsweise ist sehr stark an personenbezogenen Daten interessiert und holt sich über die Nutzungsbedingungen der App weitreichende Berechtigungen.
Wusstet ihr, dass ihr Temu die Berechtigung gegeben habt, Screenshots zu erstellen, ohne dass ihr etwas davon mitbekommt? Das Unternehmen dürfte im Hintergrund auch weitere Anwendungen laden und könnte eure genaue Position anhand des Standortes feststellen.[1]
Hohe Geldstrafe für Shein
Die nationale Datenschutzbehörde Frankreichs CNIL hat die irische Shein-Tochter Infinite Styles Services Co. Limited im September 2025 schon zu einem Bußgeld von 150 Millionen Euro verurteilt, weil der Hersteller Cookies auf der Website ohne Einwilligung der Nutzenden eingesetzt haben soll.[2] Shein sammelt eine enorme Menge an Daten, darunter Kontakt- und Finanzdaten, Klicks, Suchanfragen und auch abgebrochene Warenkörbe. Das machen auch andere Apps aus dem Einzelhandel, Shein geht aber noch weiter und lässt sich für das Hochladen von Fotos Zugriff auf deine Kamera, den Speicher und vieles mehr geben.[3] Vielen ist gar nicht klar, was genau ihre Zustimmung zu bestimmten Berechtigungen eigentlich bedeutet und welche Mengen an für das Unternehmen kostbaren Daten sie damit freigeben.
„Nichts zu verbergen?“
Erzählt man anderen von den perfiden Machenschaften der großen Datenkraken, bekommt man oft zu hören: „Datenschutz ist mir nicht so wichtig, ich habe nichts zu verstecken.“ Dass das ein gefährlicher Irrglaube ist, verdeutlicht Netzphilosophin Leena Simon in dem Mini-Buch „Nichts zu verbergen?“, das Teil der sehr anschaulichen und informativen KURZ&MÜNDIG-Reihe der Bielefelder Organisation Digitalcourage ist.[4] Da ich oft erstaunt darüber bin, wie leicht selbst sehr reflektierte Menschen die systematische Datensammlerei in Apps und Co. als „nicht so schlimm“ abtun, lege ich die Lektüre dieses kurzen Büchleins jedem wärmstens ans Herz. Es werden insgesamt elf Gründe genannt, die für einen selbst sehr einleuchtend wirken können, aber auch als Argumentationshilfe dienen, wenn ich anderen erklären möchte, warum sie eben doch etwas zu verbergen haben sollten.
Zu denken, man habe nichts zu verbergen, ignoriert den gesellschaftlichen Wandel und zeugt von einer ziemlichen Geschichtsvergessenheit.
Besonders eindrucksvoll finde ich die Punkte, dass eine solche Aussage den gesellschaftlichen Wandel ignoriert und geschichtsvergessen ist. Die Zeiten ändern sich schnell und was heute noch gesellschaftlich akzeptiert ist, könnte morgen bereits zu ernsthaften Problemen und Sanktionen führen könnte. Und je nachdem, wer gerade an der Regierung ist, können die gesammelten Daten in den Händen der falschen Leute sehr gefährlich werden. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie viel schlimmer die ohnehin schon unsagbar schreckliche NS-Zeit noch hätte werden können, wenn Juden, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung oder politische Gegner in kürzester Zeit anhand der bestehenden Datenprofile identifiziert werden könnten. Je stärker die rechtsextremen Parteien in Europa werden, desto mehr verschärft sich beispielsweise auch die Lage der LGBTQ+-Community. Was ist, wenn Homosexualität in einigen EU-Ländern zukünftig plötzlich wieder strafbar ist und Apps maßgeblich bei der Aufdeckung helfen können? Du hast bei Temu ein Shirt mit Regenbogenmotiv und queerem Spruch gekauft? Schwierig …
Ausblick
Ich weiß, dass die Beschäftigung mit dem Thema Datenschutz nicht unbedingt viel Spaß macht und Unternehmen auch alles tun, um ihre Spionagetechniken in unleserlichen AGBs zu verstecken. Wie soll man Zeit haben, sich das alles durchzulesen? Und selbst wenn ich Zeit hätte, würde ich überhaupt alles verstehen? Wir brauchen auf jeden Fall gesetzliche Regulierungen, die für mehr Transparenz und Einfachheit sorgen. Dennoch sollte sich jede und jeder Einzelne fragen, ob sie/er ihre/seine Daten wirklich einem Konzern wie Temu oder Shein geben möchte, bei dem ich mir nicht ansatzweise vorstellen kann, was genau sie damit machen. Dass sie sie zu ihren Gunsten nutzen werden, steht jedoch außer Frage.
- https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/temu-shop-warum-verbraucher-beim-einkauf-vorsichtig-sein-sollten,temu102.html
- https://www.datenschutzticker.de/2025/09/150-millionen-euro-bussgeld-gegen-shein/
- https://surfshark.com/de/blog/ist-shein-sicher
- https://shop.digitalcourage.de/kategorie/nichts-zu-verbergen-gebunden.html

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