Wir haben heute für euch einen Beitrag der lieben Paula. Paula hatte ein Praktikum bei der Romero Initiative gemacht und sich dort viel mit dem Thema (Ultra-)Fast-Fashion und dessen Folgen auseinandergesetzt. Dazu entstand folgender Text:
Rund 60 neue Kleidungsstücke kaufen wir im Schnitt jedes Jahr – ein Drittel davon tragen wir nie. Gleichzeitig bringt Ultra Fast Fashion immer schneller neue Ware in Umlauf: Plattformen wie Shein veröffentlichen tausende neue Teile täglich, insgesamt über eine Million pro Jahr.[1]
Das ist ein Vielfaches dessen, was klassische Marken wie H&M produzieren, die meist im Wochentakt neue Kollektionen oder Drops herausbringen. Trends entstehen über Nacht und verschwinden genauso schnell wieder.[2] Kleidung wird zur Wegwerfware im Sekundentakt. Doch was passiert mit all den Teilen, die niemand wirklich trägt?
Kleidung, die niemand trägt
Jährlich werden weltweit Millionen Tonnen Kleidung hergestellt, doch ein erheblicher Teil davon bleibt ungetragen. In Europa werden pro Person etwa 19 kg Textilien im Jahr entsorgt, von denen über 80 % im Restmüll landen.[3] Besonders problematisch sind unverkaufte Waren und Online-Retouren: Schätzungen zufolge werden 4–9 % aller in Europa verkauften Kleidungsstücke zerstört, bevor sie überhaupt getragen werden, und rund 20 % aller online gekauften Kleidungsstücke werden zurückgeschickt, von denen ein großer Teil vernichtet wird. Das Ergebnis: riesige Mengen an Textilabfall, der nie einen Nutzen hatte, dafür aber enorme Ressourcen wie Wasser, Energie und Rohstoffe verbraucht hat.[4]
Die Atacama-Wüste: 39.000 Tonnen Kleidung
Ein besonders drastisches Beispiel ist die Atacama-Wüste in Chile. Dort landen Container voller Textilabfälle aus Europa, Nordamerika und Asien. Jährlich werden ungefähr 39.000 Tonnen Textilmüll dort abgeladen – das entspricht rund 2.600 voll beladenen Reisebussen. Die Kleidung besteht oft aus synthetischen Fasern, die Hunderte von Jahren brauchen, um sich zu zersetzen. Chemikalien aus den Textilien gelangen ins Erdreich, Mikroplastik ins Grundwasser. Die Wüste wird so zu einem gigantischen Friedhof für unsere Wegwerfmode.[5,6]
Der Markt von Accra: Second-Hand oder Müll?
Auch in Accra, Ghana, wird Textilmüll aus Europa und Nordamerika angeliefert. Teile werden als Second-Hand verkauft, doch ein erheblicher Teil wird auf Müllhalden entsorgt, teilweise nur wenige Wochen nach der Ankunft. Die Folgen sind deutlich: Überflutete Märkte, verschmutzte Straßen und fehlende Recycling-Infrastruktur. Was ursprünglich als „nutzbare Kleidung“ gedacht war, wird so zu lokalem Abfall und Umweltproblem.[7]
Warum Textilmüll ein globales Problem ist
Textilabfälle belasten die Umwelt auf vielen Ebenen. Schon die Herstellung verbraucht große Mengen Wasser, Energie und Chemikalien. Wenn Kleidung nicht mehr genutzt wird und auf Deponien landet, zersetzen sich natürliche Fasern wie Baumwolle unter Luftabschluss und setzen dabei klimaschädliches Methan frei, während synthetische Materialien kaum abgebaut werden und über lange Zeit Schadstoffe und Mikroplastik in die Umwelt abgeben.[8] Die Wegwerfmentalität der Ultra Fast Fashion verstärkt diese
Probleme massiv: Kleidung wird produziert, verkauft und dann entsorgt, die Lebenszeit eines Textils ist in vielen Fällen dramatisch kurz.[9]
Im System der globalen Modeindustrie
Am Ende stellt sich natürlich nicht nur die Frage, wie viel Kleidung wir besitzen oder wohin sie nach dem Wegwerfen gelangt, sondern auch, warum wir überhaupt so viel davon konsumieren. Denn das Problem beginnt nicht erst auf Müllhalden in der Atacama-Wüste oder auf den Märkten von Accra, sondern in einem System, das Überfluss zur Normalität gemacht hat.
Solange wir mehr kaufen, als wir tatsächlich tragen können, wird ein Teil davon zwangsläufig zu Abfall, oft weit entfernt von unserem Alltag, aber mit realen, langfristigen Folgen. Wer bewusster konsumiert, Kleidung länger nutzt und ihren Wert wieder stärker in den Mittelpunkt rückt, setzt genau dort an, wo Veränderung möglich ist: beim eigenen Konsum.
- Schuften für Shein
- BMUKN: Mode und Textilien
- Consumption of clothing, footwear, other textiles in the EU reaches new record high | Press releases | European Environment Agency (EEA)
- The destruction of returned and unsold textiles in Europe’s circular economy | Publications | European Environment Agency (EEA)
- Atakama-Wüste: Wo Tonnen von Kleidung verschwendet werden | MagicLinen
- Atacama-Wüste: Warum hier 39.000 Tonnen Fast-Fashion vergammelt
- Kantamanto | Fashion Africa Now
- Die Umweltauswirkungen von Textilabfall – faircado
- Textile Waste Facts | Fashion and Clothing Waste Statistics

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